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3. Literarischer Mai: Geheimnisträger im scheinbaren Dorfidyll


Kai Wieland las im Rahmen des 3. Literarischen Mai in Eislingen zum Thema Heimat aus seinem preisgekrönten Debütroman „Amerika“.

Kai Wieland

Der Thaddäus-Troll-Preisträger  kam auf Einladung der Stadtbücherei und Volkshochschule nach Eislingen und stellte in der Stadthalle seinen Debütroman „Amerika“ vor.

Der junge Autor äußerte sich zur Entstehung des Romans und las Passagen, die den darin vorherrschenden besonderen Sprachton und hintersinnigen Witz offenbar werden ließen.  Zu Beginn der Lesung machte er deutlich, dass sein Sprungbrett ins Schriftstellerleben die Teilnahme am „Blogbuster“-Wettbewerb war. Als Finalist beim „Blogbuster“, dem Preis der Literaturblogger, bekam er einen Vertrag beim renommierten Stuttgarter Verlag Klett-Cotta, wo sein Debüt im August 2018 erschienen ist.

Eigentlich wollte er keinen Heimatroman schreiben. Ihn interessierte vielmehr der Umgang mit trügerischen Erinnerungen im Vergleich zu tatsächlichen Erlebnissen.

Der ursprüngliche Titel des Manuskriptes lautete „Ameehrikah“, also „Amerika“ in schwäbisch gedehnter Aussprache. Das Land Amerika mit all seiner Ambivalenz steht im Kontrast zur im Roman dargestellten schwäbischen Provinz. Der Schauplatz von Kai Wielands „Amerika“ ist ein fiktives Dorf namens Rillingsbach, tief im Schwäbischen Wald „fernab der Zivilisation selbst solch bescheidener Metropolen wie Backnang und Murrhardt“ gelegen. Der in Backnang geborene Autor erklärte, dass er in seinem Debüt keine autobiografischen Fakten verarbeitet habe, und er gab zu, Amerika nur mit Google Maps bereist zu haben. Allerdings habe er eine familiäre Verbindung zum Schwäbischen Wald, den er als Kind sowohl als idyllisch als auch als unheimlich-mystisch wahrgenommen habe – ganz im Gegensatz zum urbanen Charakter Backnangs.

Kai Wieland hatte sich zudem während seines Studiums der Buchwissenschaft in München intensiv mit der Information Control Division befasst, die in der amerikanischen Besatzungszone den deutschen Buchmarkt und die Bibliotheken nach dem Zweiten Weltkrieg von nationalsozialistischem Gedankengut säubern sollte.

Im Schippen, der mittlerweile heruntergekommenen Dorfkneipe im schwäbischen Rillingsbach, die einst ein Drei-Sterne-Hotel war, erzählen die wenigen verbliebenen Einwohner einem Chronisten aus ihrem Leben. Tief vergrabene Erinnerungen dringen an die Oberfläche und auch üble Geheimnisse treten so zutage, die der Chronist eifrig notiert. Besonderen Anklang fand beim lauschenden Eislinger Publikum eine morbide und durchaus komische Roman-Episode, in der der Protagonist Alfred mit seiner Frau Erna nach Amerika reist, um dort ausschließlich Schauplätze der Ermordung berühmter Politiker wie Martin Luther King oder John F. Kennedy zu besuchen und sich letztlich wie „Bonnie und Clyde“ zu fühlen.

Kai Wieland erklärte seinen interessierten Zuhörern, dass er als junger Erwachsener begeistert Hemingway gelesen habe. Während dieser erfolgreiche amerikanische Schriftsteller beim Schreiben aus seinem vollen Erfahrungsschatz schöpfen konnte, habe er als junger Autor bislang eigentlich nichts Besonderes erlebt. Dennoch hat Kai Wieland mit „Amerika“ ein preisgekröntes Debüt vorgelegt.
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